Benjamin Büchner, NACH MAGRITTE, 2016, Video, 60 min, Diplomarbeit betreut mit Prof. Elfi Fröhlich


Die Appropriation Art, die konzeptuelle Aneignung und Kopie von vorgefundenem ästhetischen Material durch den Künstler, hat sich seit den 80er Jahren zu einer zeitgenössischen Kunstrichtung mit unterschiedlichen Ausprägungen entwickelt, Strategien des Zitierens und Kopierens kann man aber ebenfalls auch in anderen Stilrichtungen wie zum Beispiel der Pop Art finden.
Der Fachkurs diente dem Experiment mit eigenen künstlerischen Strategien der Aneignung, des Zitierens, Anspielens und Wiederholens. Als Ausgangspunkt konnten dabei nicht nur Werke der Kunstgeschichte sondern ebenso Bild- und Textzitate aus den unterschiedlichsten Quellen der Populär- und Alltagskultur genutzt werden.
Im Laufe des Fachkurses wurden verschiedene Künstlerpositionen und Ansätze, ausgehend von der Pop Art über die Appropriation Art im engeren Sinne bis hin zu zeitgenössischen künstlerischen, eher postmodern zu nennenden, Strategien, die sich durch wilde Zitat- und Anspielungsmixturen kennzeichnen, vorgestellt.
Innerhalb des Fachkurses konnte in verschiedenen Medien wie z.B. Zeichnung, Malerei, Fotografie, Performance, Video und Installation gearbeitet werden.

Daniel Homann, AUSSCHNITT, Videoarbeit, 2013

In der Videoarbeit „Ausschnitt“ beschäftige ich mich mit einer Person die zugleich Protagnonist in einer von mir geschriebenen Erzählung ist. Die gesamte Idee der Arbeit entspringt aus der Erzählung. Abgeneigt und unverstanden von ihrem Umfeld, beschließt die Hauptfigur des Videos sich einer absichtlichen Isolation zu unterziehen, dessen Konsequenzen in der künstlerischen Arbeit installativ visualisiert wurden, um den somit erschaffenen Raum als Bühne für die Videoperfomance nutzen zu können. Die dargestellte Szene zeigt die Figur nach einem unkontrollierten Ausbruch, in dem sich die innerlich angestauten Gedanken, die nun nicht länger unterdrückt werden konnten, in Form von Text und Farbe äußern. Zugleich beschäftige ich mich hier mit dem Akt des „umkrempelns“, mit dem „ausschlachten“ der Gedankenwelt, womit ich den unmittelbaren Vergleich zum zurückgezogenen Künstler herstelle, der sein Werk unter Schmerzen zur Welt bringt. Hier möchte ich stellvertretend Kafka zitieren, der die Entstehung seines Werkes „Das Urteil“ so beschrieb: „die Geschichte ist wie eine regelrechte Geburt mit Schmutz und Schleim bedeckt aus mir herausgekommen.“ (Daniel Homann)


Boa Cha, TAGEBUCH I, Buchobjekt, 15 x 21 cm, 2013

Die Frage nach dem "Exist".

Ich schreibe ein Tagebuch, um mich selbst zu betrachten. In diesem Buch, das nur aus Zeitangaben ohne Text besteht, wird festgehalten, welche Handlungen ich den Tag über ausführe. Die Zeit ist sehr objektiv. Aber hier ist sie etwas persönliches, in dem ich sie als Zeichen meiner Aktionen aufschreibe. Dieses Projekt ist eine Untersuchung, welche Bedeutung die Zeit bekommen kann. Ich existiere jederzeit. (Boa Cha)



Benjamin Büchner, PORTRAIT, 2013, 67 min

Auf der Suche nach einem Selbstportrait stellt sich die Frage, wann man am ehrlichsten „unkultiviertesten“ und natürlichsten ist. Inspiriert durch die Arbeit „David“ der britischen Videokünstlerin Sam Taylor-Johnson, zeigt die Arbeit den Künstler während der Tiefschlafphase. (Benjamin Büchner)



Richard Welz, DAS IST KÄSE, Ausstellungsansicht, 2013

Gezeigt wird eine Fotografie im Format 20x30 cm in einem weißen IKEA-Rahmen für ca. fünf Euro und Glasscheibe. Motiv ist eine Studiofotografie von einem Edelschimmelkäse in Form eines Prismas auf schwarzem Untergrund. Aufgehängt wird das Bild mit Hilfe eines welligen Wickeldrahts wie man ihn aus der Weihnachtszeit vom Kranzbinden kennen dürfte. Dieser wird an einer Baumarktschraube, gedübelt in einer Stahlbetonwand, befestigt. Eine zarte, exakte Markierung der Lochbohrung ist zu sehen. Links unterhalb des Bildes ist ein schwarzer Zettel auf dem in weiß „Das ist Käse“ mit kindlicher Handschrift geschrieben steht.
 
Hierbei handelt es sich um eine Fotoinstallation, in der die Fotografie als kopierfähiges Medium sich einer Malerei von René Magritte als Vorlage bedient. Bei Magritte, „Ceci, n’est pas une pipe“, handelt es sich unter anderem um die Wirklichkeit, den Stellenwert von Abbild, Bild und Objekt. Timm Ulrichs geht weiter und stellt die Reihenfolge von Objekt und Abbild in Frage in seiner Arbeit „Ceci n’est pas une pipe de René Magritte“. In meiner Arbeit greife ich den Gedanken auf und formuliere eine völlig eigene Version und greife gleichzeitig auf Ullrichs „Kopfkunst“ oder „Gedankenkunst“ zurück. Meine Fotografie zeigt durch die hohe Abbildungsgüte ein Abbild, das sehr realistisch wirkt, jedoch durch die Art der Inszenierung wie eine Fotomontage aussieht. Ein direkter Verweis zu Magritte ist zudem der Zettel mit der kindlichen Handschrift. Durch dessen Zugabe, wie auch bei Magritte, entsteht im Kopf des Betrachters das eigentliche Bild. So ist der Untertitel meiner Arbeit als Wortspiel zu begreifen, das auf eine ironische Haltung sowie auf Ullrichs „Künstlerischen Witz“ verweist. Mich interessiert das Spannungsfeld zwischen Spiel und Ernsthaftigkeit. (Richard Welz)


Hedwig Hoppe, BABY I LOVE YOU, 2013, Multiple, 10 Stk. (Glasflaschen, Brustwarzenabformung aus Latex, Muttermilch, Blut)

mutterliebe. ich frage mich, ob die von der mutter nach außen dargestellte liebe bis hin zur selbstlosigkeit eine gegenwärtige erwartungshaltung der gesellschaft ist. da die mutterliebe in unserem raum als natürlich unterstellt wird, bedarf die rabenmutter einer rechtfertigung, wenn diese selbstverständlichkeit verletzt wird. so streben wir nach immer mehr "natürlichkeit" in schwangerschaft, geburt und kinderaufzucht (hausgeburt, windelfreie babys, 2 jahre stillen etc.). neben dem erst jüngst romantisierten gebärvorgang, ist das stillen mit muttermilch ein hort der gefühle, in dessen zusammenhang mutterliebe (als unser kulturelles stereotyp) sich auszubilden vermag. das stillen aber wird von müttern höchst unterschiedlich und ambivalent erlebt, so dass "erfüllte" liebe keineswegs das alleinige/vorherrschende gefühl dabei darstellen muss. (Hedwig Hoppe)


Melissa Holstein, 316:1, 2013, Block aus Aluminium von 316 Butterverpackungen, („Deutsche Markenbutter“), 3,5 x 6,0 x 8,5 cm

Eine systematische Akkumulation offenbart den Wert des vermeintlich Unwerten. Entleert, gesammelt, (vom Papier) getrennt und verdichtet, verweist „316:1“ auf die in der Summe schwerwiegenden Effekte eines, jeweils zwar minimalen, jedoch auf Menge und Dauer angelegten Prozesses. Zudem steht das Objekt dafür, dass nicht alles, was wir entsorgen, auch tatsächlich Müll ist.

Die Butterpapiere werden über einer Hitzequelle vom Pergamentpapier getrennt und dann zu einem Block in Butterform eingepackt sowie mittels Walze und Presse so stark wie möglich komprimiert. Das Ergebnis ist ein Block aus (bedrucktem) Aluminium. (Melissa Holstein)



Maria Safenreiter, en mémoire de Marcel Duchamp, 2013, 30 Fotoarbeiten



Marie Grund, DER SCHREI, HD-Video, 10 min, 2013


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